Vor einigen Jahren, als mein Interesse an Linux wieder einmal aufloderte, habe ich den Versuch gestartet und Ubuntu auf meinem Notebook installiert. Mein Ziel war es, mich daran zu gewöhnen und anstatt Windows zu starten (Dual Boot oder VM) Alternativen in der GNU / Linux Welt zu finden. Inzwischen benutze ich privat ausschließlich Ubuntu.
Damals war Ubuntu scheinbar genau das richtige Betriebssystem für mich. Nicht zu kompliziert, eine sehr große Community und eine gute Möglichkeit, die GNU / Linux Welt näher kennen zu lernen. Ubuntu läuft bei mir auf einem Heimserver und einem vServer in einem Rechenzentrum, womit ich auch immer noch zufrieden bin. Auf meinem Notebook lief bis vor kurzem Ubuntu 11.04 mit GNOME3. Im Prinzip war ich damit zufrieden, GNOME3 gefällt mir sehr gut und an Ubuntu bin ich sehr gewöhnt. Allerdings geht es mir wahrscheinlich wie vielen anderen, die Ubuntu bzw. die dahinter steckende Firma Canonical inzwischen mit kritischen Augen betrachten. Dabei geht es mir nicht nur um Marketing oder die Einführung von Unity, sondern um diese gewisse Art der Bevormundung bei Ubuntu. Ich möchte ein Betriebsystem haben, dass ich ganz genau an meinen Bedürfnisse anpassen kann und mir alle Möglichkeiten offen lässt.
Schon länger schwirrt mir Arch Linux im Kopf herum, aber ich habe mich damit nie genauer beschäftigt. Ich hab eher damit gerechnet, dass ich Tage oder sogar Wochen brauchen werde, bis ich überhaupt eine funktionierende Arch Linux Installation haben werde. Also fing ich an zu lesen…
Zuerst habe ich viel im Wiki gestöbert. Dort habe ich auch einen Link zu dem frei verfügbarem Buch “Arch Linux – Die Grundinstallation und mehr” gefunden. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Autor Farid Mésbahi und natürlich auch an alle, die am Wiki beteiligt waren.
Ich habe das Buch in relativ kurzer Zeit verschlungen, was kein Problem ist, da es recht verständlich geschrieben ist. Natürlich muss man für Arch Linux gewisse Grundkenntnisse über Linux und die Shell mitbringen, aber theoretisch kann ja jeder alles lernen. Der größte Unterschied zu Ubuntu oder den meisten anderen Distributionen ist wohl, dass man keine grafisch-bunte Klick-dich-durch-Installationsroutine hat, sondern ein schlichtes Setup Menü. Nach erfolgter Installation hat man ein voll funktionstüchtiges Linux, allerdings ohne grafische Oberfläche, denn die kann man sich selbst aussuchen.
Der Paketmanager pacman kommt einem gar nicht so fremdartig vor, wenn man von Debian / Ubuntu das apt-get gewohnt ist. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal eine Anwendung über das Software Center installiert habe. Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber wie erwartet (und gewünscht) musste ich vieles selber machen:
- X installieren und konfigurieren
- GDM, GNOME3 und die Shell installieren
- ACPI und automatische CPU Taktung zum Laufen bekommen
- Module und Daemons installieren und in /etc/rc.conf eintragen
- aus Gewohnheit habe ich mir der /etc/sudoers hinzugefügt
(sudo vorher installieren)
- GRUB2 habe ich bei einem Test in einer VM nicht zum Laufen bekommen, vorerst verwende ich also GRUB Legacy (Standard)
Ich bin mir sicher, dass ich noch über einige Sachen gestolpert bin, die ich selbst recherchieren musste, aber das habe ich schon wieder alles vergessen. Ich werde wohl mal ein paar Alte Rechner mit Arch Linux und ein paar ausgefallenen WMs bestücken, durch die Routine lernt man am besten.
Noch bin ich kein “Arch Profi” und werde es vielleicht auch nie werden, aber ich komme erstaunlich gut mit dieser Distribution zurecht, was zu einem großes Teil wohl auch der guten Community zu verdanken ist. Irgendwelche Tutorials werdet ihr wohl auch nicht von mir sehen, aber vermutlich wird es zukünftig weniger Ubuntu und mehr Arch Themen hier geben.
Jetzt zeigt WordPress mir schon wieder um die 600 Wörter an und dabei wollte ich doch nur erwähnen, dass ich jetzt auch ein Arch Linux Nutzer bin
mfg
Finn