Festplattendefekte erkennen


Wenn die Festplatte erst einmal den Geist aufgegeben hat, dann ist oft nicht mehr viel zu retten. Bei einem Head-Crash oder kaputter Festplattenelektronik, kann man selber meist nichts unternehmen, es sei denn man bastelt gerne und würde den kompletten Datenverlust hinnehmen können, denn das ist bei Eigenreparatur sehr wahrscheinlich.

Normalerweise legt man bei Festplatten nicht selbst Hand an, bei wichtigen Daten sollte man die Reparatur speziellen Datenrettungsfirmen überlassen und das kann manchmal ziemlich teuer werden.
Irgendwann wird jede Festplatte kaputt gehen, das lässt sich nicht verhindern. Darum sollte man regelmäßig Backups machen, dann bleibt auch der Blutdruck unten, wenn man merkt, dass die Festplatte defekt ist.

Wenn die Festplatte im BIOS erkannt wird und das Betriebssystem sauber hochfährt, heißt das noch lange nicht, dass es der Platte noch gut geht. Mit Linux bzw. in meinem Fall Ubuntu gibt es ein paar schöne Möglichkeiten, Laufwerke zu überprüfen und notfalls noch einige Daten zu retten.

Ich beschreibe hier lediglich meine persönliche Vorgehensweise, sicherlich lässt das eine oder andere auch anders bewerkstelligen.

S.M.A.R.T ist eine Selbstüberwachungstechnik, die eigentlich von allen modernen Festplatten beherrscht wird. Man sollte darauf achten, dass dies nicht im BIOS deaktiviert wurde, das wäre doch schade. Um die SMART Daten auszulesen, wird das Paket smartmontools benötigt:

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sudo apt-get install smartmontools

Anschließend kann man sich die SMART Werte mit folgendem Befehl ausgeben lassen:

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sudo smartctl -A /dev/sda

/dev/sda ist natürlich eventuell anzupassen, je nach Laufwerk. Mit fdisk kann man sich seine Festplatten und deren Partitionen anzeigen lassen:

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sudo fdisk -l

Bei mir sieht das ganze z.B. so aus:

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finn@finn-laptop:~$ sudo smartctl -A /dev/sda
smartctl version 5.38 [x86_64-unknown-linux-gnu] Copyright (C) 2002-8 Bruce Allen
Home page is http://smartmontools.sourceforge.net/

=== START OF READ SMART DATA SECTION ===
SMART Attributes Data Structure revision number: 16
Vendor Specific SMART Attributes with Thresholds:
ID# ATTRIBUTE_NAME          FLAG     VALUE WORST THRESH TYPE      UPDATED  WHEN_FAILED RAW_VALUE
1 Raw_Read_Error_Rate     0x002f   200   200   051    Pre-fail  Always       -       0
3 Spin_Up_Time            0x0027   154   152   021    Pre-fail  Always       -       1300
4 Start_Stop_Count        0x0032   100   100   000    Old_age   Always       -       43
5 Reallocated_Sector_Ct   0x0033   200   200   140    Pre-fail  Always       -       0
7 Seek_Error_Rate         0x002e   100   253   000    Old_age   Always       -       0
9 Power_On_Hours          0x0032   100   100   000    Old_age   Always       -       523
10 Spin_Retry_Count        0x0033   100   253   051    Pre-fail  Always       -       0
11 Calibration_Retry_Count 0x0032   100   253   000    Old_age   Always       -       0
12 Power_Cycle_Count       0x0032   100   100   000    Old_age   Always       -       41
192 Power-Off_Retract_Count 0x0032   200   200   000    Old_age   Always       -       10
193 Load_Cycle_Count        0x0032   200   200   000    Old_age   Always       -       300
194 Temperature_Celsius     0x0022   103   092   000    Old_age   Always       -       40
196 Reallocated_Event_Count 0x0032   200   200   000    Old_age   Always       -       0
197 Current_Pending_Sector  0x0032   200   200   000    Old_age   Always       -       0
198 Offline_Uncorrectable   0x0030   100   253   000    Old_age   Offline      -       0
199 UDMA_CRC_Error_Count    0x0032   200   200   000    Old_age   Always       -       0
200 Multi_Zone_Error_Rate   0x0009   100   253   051    Pre-fail  Offline      -       0

Wer das ganze etwas übersichtlicher und grafisch haben möchte, der kann dies ab Ubuntu 9.10 Karmic Koala ganz leicht mit der Palimpset Laufwerksverwaltung tun, diese findet man unter System – Systemverwaltung – Laufwerksverwaltung. Ein Klick auf “Weitere Informationen” hinter dem SMART Status zeigt die SMART Werte.

Die Werte (RAW_VALUE) geben die aktuellen Daten der Platte an, diese sollen den Grenzwert (TRESH) nicht über- bzw unterschreiten (je nach Wert). Grüne Lämpchen sind natürlich ein gutes Zeichen, wer es genauer wissen möchte kann sich hier eine etwas genauere Erklärung der Parameter ansehen.

Eigentlich noch häufiger setze ich das Programm badblocks ein, welches eine Festplatte oder Partition nach defekten Datenblöcken durchsucht und praktischerweise bei Ubuntu vorinstalliert ist.

Um eine Festplatte zu überprüfen, auf der sich noch Daten befinden, empfiehlt sich der “nicht-überschreibende” Modus:

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sudo badblocks -vsn /dev/sda

Einen ausführlicheren Test, der die Datenblöcke überschreibt, lässt sich mit dem Parameter “w” anstatt “n” starten. Ein einzelner defekter Datenblock kann entweder, je nachdem was in ihm gespeichert ist, gar nicht erst auffallen oder den Bootvorgang des Rechner unmöglich machen. Festplatten und Flash Speicher verfügen über eine Defektblockverwaltung, die i.d.R. defekte Datenblöcke über eine Zuordnungstabelle durch fehlerfreie Blöcke aus einem Reservebereich ersetzt. Dieser Reservebereich kann aber irgendwann aufgebraucht sein und außerdem haben defekte Datenblöcke eine Ursache. Man kann die defekten Datenblöcke zwar durch Remapping von der Nutzung ausschließen, aber eine Festplatte mit defekten Blöcken sollte man im Auge behalten.

Ob man bei defekten Blöcken die Festplatte sofort austauscht oder sie (nach einem Backup) weiter benutzt oder ein Remapping durchführt, bleibt jedem selbst überlassen. Einige Festplatten haben bereits früh fehlerhafte Sektoren, diese vermehren sich aber nicht und die Festplatte ist noch lange benutzbar. Man kann leider nicht in Festplatten hineinschauen und deren Zukunft vorhersagen, SMART und badblocks helfen einem dabei sehr.

Wenn die Festplatte schon komische Geräusche macht, dann kann man sich SMART und badblocks eigentlich sparen und sollte lieber sofort mit dem Backup anfangen. Ich könnte einige Geschichten erzählen, was mir beim Reparieren von Computer schon passiert ist, aber das würde den Rahmen des eh schon verlaufenen Artikels sprengen ;-)

Ich verstehe nur nicht, warum ich für eine Menschen “die letzte Hoffnung” bin, wenn es darum geht Computer wieder zum laufen zu kriegen. Oft liegt es nicht an der Festplatte, trotzdem überprüfe ich diese, wenn die Zeit vorhanden ist. Wenn ich dann zu einer neuen Festplatte rate und empfehle, endlich mal mit Backups anzufangen, glaubt mir einfach niemand, dass Festplatten kaputt gehen können. Funktioniert die Festplatte dann einmal nicht mehr, ist das Geschrei groß…

mfg
Finn

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